Sommerloch und die Pläne danach

DSCF6517Ihr merkt, es ist etwas still hier geworden auf dem Blog und das hat einen ganz einfachen Grund: Nämlich Sommer! Endlich! 😀

Eigentlich würde ich mich ja als Ganzjahresstrickerin bezeichnen, doch im Moment ist es einfach zu warm, ja viel zu warm! Der Strickwunsch ist da, aber nicht so ausgeprägt wie sonst. Und so stricke ich weiter an dem riesigen Sommertuch „rose and ocean“. Aber ganz gemütlich, ohne Eile. Immer mal wieder, zwischendurch.

Nichtsdestotrotz kann man ja schon mal planen und die Augen nach schönen Projekten und neuen Herausforderungen offen halten!  Es gibt ja noch so viel was man lernen kann und vielleicht noch ausprobieren möchte. Ganz im Sinne einer Knit Bucket List (so wie das bei Lanade so nett mit einem Augenzwinkern beschrieben wird). 😉

Bei mir steht unter anderem schon auf der Unbedingt-irgendwann-mal-stricken-Liste:

  • Verschiedene Arten von short rows ausprobieren, wie z.B. hier in diesem kleinen kostenlosen englischen Videokurs von craftsy
  • ein Projekt mit zweifarbigen Patent, oder vielleicht sogar mit mehr Farben (vielleicht was von Stephen West???)
  • Fair-Isle-Technik, also mit mehreren Farben gleichzeitig stricken (ein schöner Norwegerpulli oder so?)
  • Doubleface-Technik, wo die die Rückseite das Negativ zur Vorderseite bildet
  • mal was mit Knöpfen machen
  • mal ein Oberteil mit Taschen machen
  • ganz viele verschiedene Garne aus den unterschiedlichsten Materialien ausprobieren

…und, und, und noch so vieles mehr, was ich jetzt noch alles gar nicht weiß. Die Liste wir bestimmt noch länger werden dank ravelry und instagram. Mal schauen.

DSCF6521Die nächsten Projekte (u.a. dieser Cardigan) nach dem Tuch stehen auf jeden Fall schon fest und die Wolle hab ich auch schon. Ich werde also berichten. Doch jetzt stricke ich erst mal weiter an meinem Sommerprojekt.

I-Cord-Umrandung im Test

Eine Möglichkeit eine schöne und saubere Abschlusskante an ein fertiges Strickstück anzubringen, ist die sogenannte I-Cord-Umrandung (im englisch-sprachigen Raum bekannt als attached/applied I-Cord). Das Prinzip dahinter ist eigentlich sehr einfach: Eine kleine Schnur, bestehend aus wenigen Maschen in einer Spirale gearbeitet, wird direkt an den Rand des Strickstücks angestrickt. So ist es auch bei meinem derzeitigen Projekt vorgesehen, der Babydecke.

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Die obere Kante ist eine I-Cord-Umrandung mit zwei, die untere Kante eine mit drei Maschen

Da ich aber einen solchen I-Cord-Rand noch nie zuvor gestrickt habe und es wenig sinnvoll ist, etwas komplett Neues am fertigen Projekt zu versuchen, habe mich ich jetzt schon einmal mit den verschiedenen Techniken auseinandergesetzt und fleißig getestet. Dafür musste unter anderem meine Maschenprobe herhalten. Die Tutorials, die ich zu dem Thema im Internet gefunden haben, sind in der Regel auf Englisch (auf Deutsch habe ich kaum etwas gefunden!), sehr unterschiedlich und die meisten davon leider auch (qualitativ) richtig schlecht! Letztendlich habe ich für mich zwei gute Methoden gefunden um einen I-Cord-Rand an mein fertiges Projekt anzustricken:

Variante 1:

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Ich nenne sie mal die Abkett-Methode, weil sie doch dem I-Cord-Abketten von der Idee her sehr ähnlich ist. Zum I-Cord-Abketten werden in der Regel drei zusätzliche Maschen aufgenommen; die ersten zwei Maschen des I-Cords werden normal rechts gestrickt und die letzte Masche mit der abzukettenden Masche rechts verschränkt zusammengestrickt. Danach wird nicht gewendet, sondern die Maschen werden zum anderen Ende der Nadel herübergeschoben und erneut abgestrickt. Klingt am Anfang etwas verwirrend, aber ein Video sagt mehr als tausend Worte, also hier erstmal der Link zum I-Cord-Abketten.

Fast genauso funktioniert jetzt die erste Methode. Nur haben wir keine Maschen auf der Nadel, die wir abketten könnten, also müssen wir erst einmal Maschen aus dem Rand neu aufnehmen. Dazu wird ein gutes Stück Garn erst einmal vom Knäul abgewickelt und damit die Maschen aus dem Rand herausgestrickt. Dann werden drei Maschen (provisorisch) anschlagen und wie gerade beschrieben der I-Cord gestrickt. Dabei wird die letzte Masche mit der danebenliegenden Masche irgendwie zusammengestrickt. Wie man das dann letztendlich macht, ist Geschmackssache: Ob nun übergezogen zusammengestrickt, ssk (slip slip knit), rechts verschränkt, und so weiter, das ist eigentlich egal. Ich persönlich fand rechts verschränkt zusammengestrickt am besten, so wie auch bei dem oben genannten Abketten. Die Methode ist einfach sehr elegant und strickt sich sehr gleichmäßig und schnell. Wie das im Detail funktioniert kann man in diesem Video sehen.

Noch als Hinweis: Im Video werden die neuen Maschen direkt mit dem Arbeitsfaden angeschlagen. Ich habe stattdessen einen provisorischen Maschenanschlag mit einer Häkelnadel gemacht. Hat den Vorteil, dass die Enden später besser zusammengenäht werden können. Es geht aber auch ohne.

Fazit:

Mit dieser Methode ist der I-Cord sehr einfach und schnell an den Rändern angebracht und ergibt ein wunderbar gleichmäßiges Maschenbild. Es macht richtig Spaß diesen I-Cord zu stricken und auf der Vorderseite sieht das Ergebnis richtig gut aus. Und auf der Rückseite?

Joa … Akzeptabel, aber nicht ideal. Interessanterweise wird einem in den Tutorials irgendwie nie die Rückseite gezeigt. Ich hab diese Variante dann noch einmal mit einem Kontrast-Garn ausprobiert und dann seht ihr auch warum: Dort wo die Maschen herausgestrickt wurden blitzt auf der Rückseite das Garn in der Kontrast-Farbe auf!

Interessiert mich nur die Vorderseite oder stricke ich mit derselben Farbe weiter, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Doch ich möchte ja gerne eine Babydecke umranden und da wäre es schon schön, wenn beide Seiten hübsch aussehen. Deshalb habe ich noch eine andere Methode ausprobiert.

Variante 2:

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Ich nenne sie mal die Kontrast-Garn-Methode, da diese Methode speziell dafür gedacht ist einen I-Cord-Rand in einer Kontrast-Farbe an das fertige Strickstück anzubringen. Die Technik ist hier etwas anders. Anstatt im Vorfeld Maschen aus dem Strickstück aufzunehmen, wird das in jeder Runde für jede Masche einzeln gemacht. Zuvor werden die ersten Maschen rechts gestrickt und die letzte Masche abgehoben, ein Umschlag gemacht, und dann eine Masche aus dem Rand herausgestrickt. Jetzt werden der Umschlag und die abgehobene Masche zusammen über die gerade herausgestrickte Masche gezogen und damit zusammengestrickt. Die Maschen auf die andere Seite der Nadel schieben und wieder von vorne. Ihr merkt, es ist ein bisschen komplizierter. Ein englisches Bildertutorial zu dieser Technik gibt es bei PurlSoho, ein entsprechendes auf Deutsch findet ihr bei maschenfein als pdf zum download. Am anschaulichsten aber fand ich dieses Video dazu.

Fazit:

Durch den zusätzlichen Umschlag wird die Kante am Übergang der beiden Farben besonders sauber und gleichmäßig, und sieht von der Vorder- und von der Rückseite gut aus. Jedoch zu stricken ist diese Variante fürchterlich! Den Umschlag und die abgehobene Masche gemeinsam über die eine Masche zu ziehen ist eine extreme Fummelarbeit und strickt sich alles andere als gleichmäßig. Dementsprechend ist das Maschenbild auch nicht so schön wie bei der ersten Variante und man braucht hier auch sehr lange. Diese Methode macht also nicht wirklich Freude beim Stricken, liefert aber prinzipiell das bessere Ergebnis. Hier heißt es also üben, üben, üben.

Ich werde also wahrscheinlich in den sauren Apfel beißen müssen und die zweite Variante, also die Kontrast-Garn-Methode, für die Babydecke nehmen. Grundsätzlich gefällt mir aber die erste Methode (Abketten) besser.

Zum Schluss hab ich hier noch ein paar grundsätzliche Tipps zur I-Cord-Umrandung, unabhängig davon welche Technik letztendlich von euch verwendet wird:

  • Arbeitet mit einem Nadelspiel. Da ihr sehr oft die Maschen von einer Seite zur anderen schieben müsst, sind hier die kurzen Nadeln von Vorteil im Vergleich zu Rundstricknadeln.
  • Startet nicht ganz am Rand in einer Ecke, sondern lieber ein bisschen weiter rechts oder links davon. Dann ist das Zusammennähen später leichter und die Ecken sehen alle gleich aus.
  • Um die Maschen herauszustricken, umbedingt ganz an den Rand einstechen und nicht in eine Masche. Wenn ihr zu tief einstecht, sieht das auf der Rückseite nämlich so aus:
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Z.B. oben links im Bild hab ich zu tief eingestochen

Am besten vorher ein bisschen rumprobieren da das Endergebnis sehr stark davon abhängt wo und wie ihr eure Maschen herausstrickt.

  • Um gut um die Ecken zu kommen, benötigt ihr etwas zusätzliches „Material“, damit der I-Cord-Rand sich an dieser Stelle auch nicht spannt. Dafür an den Ecken ein oder zwei Runden den I-Cord ohne anstricken arbeiten und dann in der nächsten Runde wieder wie gewohnt mit an den Rand anstricken.
  • An den Längsseite nicht aus jeder Reihe eine Masche herausstricken. Meist werden 3 Maschen aus 4 Reihen oder auch 2 Maschen aus 3 Reihen gestrickt.
  • Experimentiert mit der Dicke der Schnur: Normalerweise sind drei Maschen vorgesehen. Ihr könnt aber genauso gut auch nur zwei Maschen oder auch vier Maschen nehmen, oder auch sieben… Schön ist, was gefällt. 😉
  • Ihr könnt auch eine andere Nadelstärke als beim Strickstück wählen. Gerne wird eine etwas größere Nadelstärke genommen um den I-Cord-Rand besonders locker und dehnbarer zu machen.
  • Wenn ihr dann am Ende einmal rum seit, die beiden Enden mit dem Maschenstich zusammennähen. Wie das geht, seht ihr z.B. hier.

DSCF6107Soweit zu meinen Erfahrungen mit der I-Cord-Technik speziell als Umrandung für ein Projekt wie die Babydecke. Wenn ihr jetzt neugierig seid und noch mehr zum Thema I-Cord lesen wollt, kann ich euch noch sehr diesen Beitrag von Lanade empfehlen: Ode an den I-Cord. Lustig geschrieben und sehr informativ.

Quadrat im Muster Sideways Herringbone

DSCF5445Quadrate, Quadrate, Quadrate… ganz viele für meine Decke! Diesmal stricke ich ein Muster namens „Sideways Herringbone“ und ist im Vergleich zu meinen anderen Quadraten mal ganz was anderes. Alle meine Quadrate haben in etwa eine Größe von 12,5 cm mal 12,5 cm und gestrickt mit Nadelstärke 4 muss ich je nach Muster in etwa immer so um die 28/29 Maschen anschlagen. Hier aber nicht! Dieses Muster bildet ein recht dickes und festes Gestrick, dass sich sehr stark zusammenzieht und dementsprechend muss die Maschenzahl und hier sogar die Nadelstärke angepasst werden. Aber gleich mehr dazu.

Erst einmal hier der Link zum Sideways Herringbone mit dem dazugehörigen Videotutorial (gefunden mal wieder bei verypink.com). An sich ist das Muster nicht schwierig: Zwei Maschen werden zusammengestrickt (in der Hinreihe rechts verschränkt, in der Rückreihe links), aber dann wird nur eine Masche von der Nadel gleiten gelassen und die nächste beiden Maschen werden zusammengestrickt. Und so weiter und so fort. Im Video wird die Technik sehr schnell klar. Eigentlich wird jede Masche doppelt zusammengestrickt und deshalb zieht sich das Muster auch so stark zusammen.

DSCF5446Nun zu meinen Anpassungen: Damit das Quadrat also nicht zu steif wird und die Maschen nicht so eng werden, verwende ich statt 4er Nadeln welche mit Nadelstärke 5,5. Und um auf eine Breite von etwa 12,5 cm zu kommen schlage ich 42 Maschen an. Also 40 Maschen plus zwei Randmaschen. Meine Randmaschen stricke ich übrigens immer glatt rechts für einen Nahtrand, weil ich später meine Quadrate noch zusammennähen möchte. Und das wars auch schon.

Fazit: Sieht toll aus und fühlt sich auch toll an! Das Muster ist nicht wirklich schwer, nur leider recht anstrengend auf die Dauer. Und obwohl sich das Muster sehr gut für eine Decke eignet, würde ich es wahrscheinlich nicht schaffen daraus ein größeres Projekt komplett zu stricken. Naja… Dann bis zum nächsten Quadrat.

Nachtrag (noch später entdeckt!): Hier ein Link zum Big Herringbone Cowl von purlsoho.com. Neben der Anleitung für diesen Loop findet sich dort auch eine Erklärung wie man dieses Muster in Runden strickt und wie man in dieser Technik abkettet. Gut zu wissen!

Und für alle, die es lieber auf deutsch mögen: Hier ein Link zu einer Anleitung für Mütze und Schalkragen im „Fischgrätmuster“(so heißt es wohl auf deutsch), gefunden bei Drops unter dem Namen Emmie Gray.

Meine Decke: Besondere Muster

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Diese speziellen Muster mit teilweise doch sehr außergewöhnlichen Techniken wollte ich auch noch vorstellen, nur lassen sich die Muster schlecht kategorisieren und so habe ich diese Muster für meine Decke einfach mal als besondere Muster zusammengefasst. Los gehts:

Ein gestrickter Baum! Ist das nicht wunderschön? Einfach nur eine Kombination aus Perlmuster, Verzopfungen und Noppen!

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In Runden gestrickt von innen nach außen auf einem Nadelspiel. Die Zunahmen einfach mit Umschlägen arbeiten, so erhält man auch gleich ein dekoratives Muster.

 

DSCF5167Bei diesem kraus rechten Muster wird in einer Reihe der Faden zweimal um die Nadel gewickelt bevor er durch die Masche gezogen wird. Dadurch entstehen lang gezogenen Maschen und das Quadrat könnte fast als Lochmuster durchgehen.

 

Chrysanthemenmuster: Zusätzlich zu den einzeln verkreuzten Maschen werden hier noch Schlingen mehrere Reihen tiefer durchgezogen und man erhält ein hübsches Blumenmuster (rechts).

Links: Gänseblümchenmuster oder auch als Daisy Flower Stitch bekannt.

DSCF5178Ein Muster mit Fallmaschen. Hierbei nicht erschrecken! Es werden erst mehrere Reihen gestrickt und dann später bestimmte Maschen gezielt fallen gelassen. Keine Sorge, hört sich vielleicht abenteuerlich an, aber es funktioniert!

 

Zum Schluss noch ein Herz mit mehreren Umschlägen gearbeitet. Hier der Videolink von elizzza zu dieser Technik.

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